Erschrocken riss ich die Augen auf, mein Herz pochte und ich war ziemlich verschwitzt. Ich zuckte, als ich merkte, dass Flo, mein bester Freund, meinen Arm berührte. Er war groß, hatte braune Haare mit hellen blonden Strähnen, braune Augen und eine rundliche Brille, die ihm gut stand. »Hey alles gut bei dir?«, fragte er grinsend. »Ähm…ich hab was Seltsames geträumt«, sagte ich verwirrt. »Ach echt? Du hast im Schlaf geredet«, er lachte laut auf. Ich merkte, wie mein Gesicht errötete und ich schaute weg. »Wie bist du reingekommen?« Ich konnte nicht klar denken, ich musste die ganze Zeit an den Traum denken. Was war das, das ich gesehen hatte? Ich sollte vielleicht nicht mehr daran denken »…Und dann hat mich deine Mutter…heeeey, hörst du mir überhaupt zu?« Fragend schaute Flo mich an. »Mh…oh ja, klar, ich hab die Mathe Hausaufgaben«, ich blickte zu ihm und hoffte, dass das die richtige Antwort war. »Das hab ich zwar nicht gesagt, aber könnte ich viellei…« ich unterbrach ihn, bevor er den Satz beenden konnte. »Ja, du kannst abschreiben« versuchte ich zu sagen, ohne zu lachen, »geh einfach runter, setz dich an den Tisch, ich mach mich fertig und komm dann.« »OH MEIN GOTTTTT, LU, DU BIST MEINE RETTUNG!« er umarmte mich, schnappte sich mein Mathe Heft und ging runter.
Ich setzte mich auf die Kante meines Bettes und schaute in meinen Wandspiegel und erschrak. Meine hellen blonden Haare waren überall und meine dunkelblauen Augen sahen müde aus. Schnell schnappte ich mir eine Bürste, kämmte meine Haare und flocht mir einen Zopf. Ich hatte eine schlanke Figur und Sommersprossen waren auf meiner Nase zu sehen. Ich schaute auf mein Handy, 7:23 zeigte mein Startbildschirm an. Ich stand auf ging zu meinem Kleiderschrank und zog eine schwarze Baggy-Jeans, ein weißes Top mit einem schwarzen Stern und einen schulterfreien dunkelroten Pullover an.
***
Ich schaute nochmal auf mein Handy, 7:49. »Shit«, flüsterte ich. Ich nahm mir meinen Rucksack und stolperte die Treppe runter. Während ich mir die Schuhe anzog, rief ich Flo zu: »Wir müssen gehen! Schule fängt in 10 Minuten an!« Ich erschrak, als er auf einmal hinter mir stand. Er grinste und ich rollte nur meine Augen. Als wir raus gingen, wehte mir eine frische Brise ins Gesicht und ich atmete tief ein. »Weißt du schon, wie du Geld für die Operation von deinem Hund auftreiben willst?« fragte er plötzlich. »Nein…«, sagte ich stumpf, »Wir können wann anders darüber nachdenken…mir fällt schon was ein.« Flo stupste mich mit seinem Ellenbogen in die Seite: »Hey, um dich aufzumuntern, wollen wir später ein Eis essen gehen?«. Ich nickte zustimmend.
***
Der Schultag war nicht lang, es war gerade mal 12:30 Uhr und wir waren schon auf dem Weg zur Eisdiele. »Ich spendier‘ dir ‘n Eis«, sagte er zu mir und lächelte. »Das musst du ni…«, wollte ich gerade sagen, als er mich unterbrach. »Ich mach das gern, also was willst du?« »Schoko und Vanille…«, sagte ich und fügte noch schnell hinzu »…in der Waffel.« Er lachte. Er bestellte unser Eis und wir liefen durch den Park. Wir beobachteten gern, was hier passiert. Als ich auf den Boden schaute, sah ich einen Flyer…
Labyrinth
»Wer es schafft, auszubrechen, gewinnt 2.500€! Unterschreiben Sie einfach hier«,
las ich auf dem Zettel. Ich stupste Flo an »Hey wie wär’s, wenn wir das hier machen, ein Labyrinth-Ausbruch?« »Ich weiß ja nicht…«, sagte er langsam. »Komm schoooon, es klingt gar nicht so schlimm.«, sagte ich, während ich an seiner Schulter rüttelte. Er nickte schließlich und ich holte einen Stift raus und wir unterschrieben beide. Ich schaute mich um. »Ich frag‘ mich, wo man den…« Ein Stich durchdrang meinen Körper, bevor ich den Satz beenden konnte. Es war so schmerzhaft, dass ich es nicht einmal mehr spürte. Das Letzte, an das ich mich erinnerte, war, dass mir schwarz vor Augen wurde und ich umkippte…


Kapitel 2 (Sicht Luna)
Ich atmete tief ein. Blut klebte an meiner Stirn. Als ich langsam meine Augen öffnete, schien Mondlicht auf mein Gesicht. Ich setzte mich auf und schaute mir die dunkle Gegend an. Vier hohe Steinwände ragten in den Himmel, aber nirgendwo war ein Ausgang. Büsche, Bäume und eine Hütte dekorierten die Gegend ein wenig. Wie war ich hergekommen? Und vor allem, wo war Flo? Langsam stand ich auf. Der Schlag an meinem Kopf war immer noch schmerzhaft spürbar. Ich stolperte langsam zu der Hütte. Mir war immer noch schwindelig, also ging ich es lieber langsam an. Als ich an der Hütte ankam, versuchte ich die Tür aufzumachen. Was für ein Wunder, es funktionierte – ich ging hinein. Die Hütte war ausgestattet mit Proviant, einer Taschenlampe, ein Erste-Hilfe-Set und einem Beutel. Die Einrichtung war schlicht, es war ein Schrank, ein Teppich und …vier Betten? Das war aber grade mein kleinstes Problem. Ich musste herausfinden, wo ich war und wo Flo war. Ich ließ mich auf eines der Betten fallen und war direkt eingeschlafen.
***
Zwölf Mal läuteten Glocken, als ich aufwachte. Ich lief nach draußen. Die Steinwände, in denen gestern kein Durchgang war, hatten plötzlich vier Durchgänge, einen auf jeder Seite. Ich packte mir den Beutel mit Proviant, einer Taschenlampe und das Erste-Hilfe-Set und lief zum östlichen Ausgang. Als ich eine Weile durch das Labyrinth wanderte, fiel mir auf wie abgeschottet es eigentlich war. Es hatte teilweise zugewachsene Wände, außerdem waren die Steine brüchig und hatten Risse. Ich erreichte einen etwas größeren Platz, in der einen Wand klaffte ein riesiger Riss. »Was zur Hölle?«, flüsterte ich zu mir selbst. Ich bewegte mich langsam zu dem Riss und leuchtete mit der Taschenlampe rein. Mein Blick glitt über die zugewachsenen Wände, bis er bei einem Zettel stoppte. Ich schlich zu dem Zettel und nahm ihn ab; darauf stand:
‚Tag 1184‘
‚Er‘ kann mich sehen. Immer. Überall. ‚Er‘ ist nicht allein. Sie suchen mich. Ich darf mich nicht bewegen. Nicht zu laut atmen. Nicht einen Mucks. Wenn ê$ mich hört, werde ich ê$ mich holen. Wer auch immer das hier liest. V3r$w1nd3!!!
Ich musste mir Mühe geben, es richtig zu lesen. Ein mulmiges Gefühl breitete sich in meinem Magen aus. Ich steckte den Brief in meinen Beutel und lief aus dem Spalt raus, als mich plötzlich jemand nach hinten riss und eine Hand über meinen Mund legte. »shh…kein Mucks!« murmelte eine männliche Stimme. Eine vierbeiniges ”Ding“ lief am Spalt vorbei. Es hatte keine Augen nur einen Kopf und Ohren. Es kroch auf vier Beinen an uns vorbei. Der Junge, vielleicht etwa zwei Jahre älter als ich, nahm meine Hand und zog mich zurück, wo ich hergekommen war. Er hatte weiß-silberne Haare und graue Augen. Über seinem linken Auge waren drei kleine Narben und eine Narbe breitete sich auf seiner rechten Wange aus. Seine Ohren waren von Piercings durchstochen. »Mein Name ist Leo Anderson und du?« fragte er mich. »L-Luna…«, stotterte ich.
